Unhappy Readymade
27.01.2012 | 15.16 Uhr

Interview mit Bazon Brock | artnet

Nun, die Künstler sind die einzigen, die das prinzipiell Unlösbare immer schon bearbeitet haben. Sie sind die Experten für den Umgang mit solchen Problemen. In der Kunst gibt es gar keinen Fortschritt. Es gibt keinen Fortschritt von Perugino zu Raffael, von Raffael zu Michelangelo, von Michelangelo zu Caravaggio. Keine Überbietungsstrategien, es gibt auch keine Möglichkeit, sich vor dem Problem zu drücken, man muss einfach reagieren. Man muss die weiße Leinwand oder das weiße Papier bearbeiten und zwar gerade im Hinblick auf grundlegende Annahmen: Das man die künstlerischen Tätigkeiten gerade nicht an die Stelle der Wirklichkeit setzt – als ob die Kunst die Wirklichkeit außer Kraft setzen könnte. Man lernt in der Kunst, was man tut, wenn man vor unlösbare Probleme gestellt wird. Also zum Beispiel sie darzustellen und durch die Darstellung zu untersuchen und durch die Untersuchung wiederum zu einem Beitrag zu kommen, der zeigt, wie man auf vernünftige Weise mit so etwas umgeht.

Das hat mich an ein Gespräch zwischen Bazon Brock und einer jungen Frau im Martin-Gropius-Bau – ich glaube, bei der Ausstellung 60 Jahre. 60 Werke. – erinnert. Die Dame fragte, was denn das alles solle, und blickte sich fragend um. Brock erwiderte fast in Rage: “Wenn Sie Antworten wollen, sind sie hier falsch. Da sind Sie in der Kunstgeschichte ganz falsch.”