Gursky, Gursky über allem | ZEIT ONLINE
Hanno Rauterberg huldigt Andreas Gursky.
Gurskys eigentliche Kunst besteht aber darin, mit seiner Schönheit die Träume der Moderne zu reaktivieren, ohne die Traumata zu unterschlagen. Vom Helikopter herab fotografiert er die Autorennstrecke in Bahrain, ein schwarzes Gekräusel im Wüstensand, reines Ornament, das aussieht, als hätte es ein Maler wie K. O. Götz auf die Leinwand gezaubert. Die blanke Technikeuphorie – Autorennen in der Wüste! Bei Gursky dürfen wir noch einmal darüber staunen. Je länger man aber hinschaut, desto verknoteter kommt einem das Ganze vor. Und plötzlich erscheint es einem als Sinnbild: dafür, dass die Moderne sich hoffnungslos verfahren hat und feststeckt in einer rabenschwarzen Endlosschleife.
Rauterberg erzählt nichts Neues oder Überraschendes, vermag es aber in einem relativ kurzen und vor allem klaren, unkomplizierten Text dem Leser Gurskys Werk nahezubringen. Nach dem Rekordauktionsergebnis von Rhein II suchte man vergeblich nach einem solchen Artikel.