Google feiert heute mit diesem Doodle den Geburtstag von Louis Jacques Mandé Daguerre, der mit erheblicher Hilfe von Joseph Nicéphore Niépce 1839 das erste wirklich praktikable fotografische Verfahren erfand, die Daguerreotypie. Das Verfahren wurde dann sogleich von der französischen Regierung gegen eine Rente für Daguerre und den Erben des 1833 verstorbenen Nièpce angekauft und der Welt zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt.
Der deutsche Schriftsteller Ludwig Pfau war zu dieser Zeit in Paris und beschrieb die Situation dort folgendermaßen:
Die jüngere Generation fand die Photographie als vollendete Thatsache vor und hat keinen Begriff von dem gewaltigen Aufsehen welches das Daguerreotyp bei seinem ersten Erscheinen, namentlich in französischen Hauptstadt, hervorrief. Ich wohnte sozusagen der Geburt oder wenigsten der Taufe dieser Erfindung bei, als ich im Frühling 1839, ein Bursche von 17 Jahren, zum erstenmal nach Paris kam. Mit der Wissensgier der Jugend stand ich stundenlang vor einem Schaufenster am Kai, wo die ersten Daguerreotype ausgestellt waren, und suchte die Wunderbilder zu enträthseln welche in allen Kreisen den Gegenstand der Unterhaltung bildeten. Als die Zeitungen die Nachricht von der öffentlichen Akademiesitzung brachten in welcher das Geheimniß enthüllt werden sollte, befand ich mich in Ris, einem Dorfe an der Seine, einige Stunden oberhalb Paris. Ich hatte natürlich nichts wichtigeres zu thun als am Morgen des 19. August mit dem Dampfschiff in die Stadt zu fahren, denn von einer Eisenbahn war damals noch keine Rede. Diese Fahrt hat sich meinem Gedächtnisse um so tiefer eingeprägt, als mir unterwegs ein unhöflicher Windstoß den Strohhut in die Seine warf, so daß ich ohne Kopfbedeckung nach Paris kam. Aber barköpfig wie ich war, stürzte ich nach dem Akademie-Gebäude, wo mich eine zweite Ueberraschung erwartete. Die Oeffentlichkeit der Sitzung hatte ich etwas allzu wörtlich verstanden, denn obwohl die Feierlichkeit erst in zwei Stunden beginnen sollte, waren nicht nur alle Plätze längst von Begünstigten besetzt, sogar Umgebung, Hof und Vorplatz des Instituts waren mit einer dichten Menschenmenge bedeckt. Eine Aufregung herrschte als ob es sich wenigstens um eine gewonnene Schlacht handelte. Ein Sieg - ein größerer als jene blutigen - war allerdings erfochten worden, ein Sieg des wissenden Geistes. Und gerade diese allgemeine Feier einer solchen Eroberung hatte etwas Berauschendes. Die Menge war wie eine elektrische Batterie die einen Funkenstrom aussendet. Jeder hatte eine Freude an der Freude des Anderen. Im Reiche des unendlichen Fortschritts war wieder eine Grenze gefallen, und die Menschheit fühlte sich im Lande ihrer Heimat. Oft will es mich schmerzlich bedünken als ob das nachgekommene Geschlecht einer ähnlichen Begeisterung nicht fähig wäre. Allmählig gelang es mir durch die Menge zu gleiten, und mich in der Nähe des Allerheiligsten einer Gruppe einzuverleiben die aus Leuten der Wissenschaft zu bestehen schien. hier fühlte ich mich wenigstens dem Vorgange geistig und der Aufklärung physisch näher gerückt. nach langem Warten öffnete sich endlich im Hintergrund eine Thüre und die ersten Zuhörer stürzen auf den Vorplatz. “Jodsilber!” ruft der Eine, “Quecksilber!” schreit der Andere, und ein Dritter behauptet gar, unterschwefligsaures Natron heiße die geheimnißvolle Materie. Jedermann spitzt die Ohren, und Niemand begreift. Dichte Kreise bilden sich um einzelne Sprecher, und die Menge sucht bald dort einzudringen um die Kunde zu erhaschen. Endlich gelingt es auch unserer Gruppe einen der glücklichen Zuhörer am Frackzipfel zu erwischen und zum Beichten zu nöthigen. Das Geheimniß klärt sich allmählig auf; aber noch lange wogt die aufgeregte Menge unter den Arkaden des Instituts und auf dem Pont des Arts hin und her, bevor sie sich entschließen kann in die Grenzen der Alltäglichkeit zurückzukehren.
Eine Stunde später waren bereits die Läden der Optiker belagert, die nicht genug Instrumente auftreiben können um das hereinbrechende Herr der Daguerreotypisten zu befriedigen; und nach einigen Tagen sah man auf allen Plätzen von Paris dreibeinige Guckkasten vor Kirchen und Palästen aufgepflanzt. Sämtliche Physiker, Chemiker und Gelehrte der Hauptstadt polirten Silberplatten, und selbst der höhere Würzkrämer konnte sich unmöglich die Genugthuung versagen, einen Theil seines Zeitlichen auf dem Altare des Fortschritts in Jod zu verdampfen und in Quecksilber zu verräuchern.
Die anfänglichen Bilder hatten eine höchst unangenehme Spiegelung, die den Beschauer nöthigte die Platte zu wenden und zu drehen bis das Licht unter einem bestimmten Winkel einfiel und die Zeichnung sichtbar machte. Das Sehfeld war außerordentlich beschränkt. Belebte Gegenstände konnten nicht dargestellt werden.
Ein Theil dieser Üebelstände hatte seine Ursache in der geringen Lichtkraft des Kammerbildes, und in der Länge der zeit welche demzufolge der Lichteindruck erforderte. Erst nachdem man die Aufnahme in einigen Sekunden vollenden und so der Physiognomie den Ausdruck des Lebens bewahren konnte, kamen mehr und mehr gelungene Porträte zum Vorschein.
Die Begeisterung, mit der die Erfindung aufgenommen wurde, lässt sich schön mit der Karikatur La Daguerréotypomanie (1839) von Théodore Maurisset illustrieren.
Die Daguerreotypie brachte Unikate auf Metallplatten hervor, die einen hohen Detailreichtum aufwiesen. Das macht sie noch heute ihre Faszination aus und es gibt tatsächlich noch Fotografen, die Daguerreotypien anfertigen, so z.B. Takashi Arai, der das Verfahren sogar in einem ausführlichen Video festhält:
Zum Schluss noch die vielleicht berühmteste Aufnahme von Daguerre selbst, Boulevard du Temple, Paris, die als erste Fotografie eines lebenden Menschen gilt.

